Louis Tuchscherer - Erfinder & Mechaniker - Dienstag, 25. Juli 2017
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Der Antrieb Louis Tuchscherers . Die Motoren

Der Motor für die erste Kutsche ohne Pferde, gebaut von Louis Tuchscherer

Wie unter Genese ausgeführt liegt der Ausgangspunkt unseres Interesses an Louis Tuchscherer in einem Chemnitzer Hinterhof. Dort stand ein eigenartiger Verbrennungsmotor, auf dem Tuchscherer stand. Damals (ca. 1949) wurde von Zeitzeugen aus 1880 beteuert, dass dies der Motor aus Tuchscherers erstem Wagen war. Er diente in den späten vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts als Antrieb für einen Notstromaggregat. Die Bauart war ungewöhnlich und lange Zeit war uns die Funktion unklar.

Beim Studium der technischen Literatur aus den siebziger und achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts stießen wir auf einen Motor, der dem Tuchscherer-Motor ähnelte. Es handelte sich um den Braytonschen Petroleummotor, erstmalig gezeigt auf der Weltausstellung in Philadelphia 1876 und veröffentlicht im Polytechnischen Journal 1876, Band 221, Seite 193–205. Der Braytonssche Petroleummotor war ein Stationärmotor.
Louis Tuchscherer war dieses Journal bekannt und zugänglich, sind doch auch seine eigenen Patente auch darin veröffentlicht.

Es liegt nahe, dass er eine kleinere Version nach diesem Prinzip baute, aber aus patentrechtlichen Gründen das Zweitaktprinzip wählte, und den Braytonschen Luftverdichter in eine Art Ladepumpe umwandelte.

Jetzt versteht man auch die Beschreibung der Tuchscherer Biographin H. Klose-Greger (Kutsche ohne Pferde) einzuordnen; Zweitaktmotor, keine Kurbelwelle, Antrieb von der Nockenwelle.

Auf den ersten Blick erschien der Tuchscherer Motor aus dem Chemnitzer Hinterhof wie eine umgebaute Küchenwaage mit Waagbalken. Auf der einen Seite des Waagbalkens wurde mittels eines Pleuels der Kolben des Arbeitszylinder bewegt, auf der anderen Seite des Waagbalkens bei halbem Hebelarm der Kolben der Ladepumpe, die ähnlich einer Luftpumpe aus einer Art Vergaser das Petroleum-Luftgemisch ansaugte, vorverdichtete und in den Arbeitszylinder bei Erreichen des unteren Kolbentotpunktes einspritzte (ventillos).
Die Einspritzöffnung im Arbeitszylinder wurde bei der Aufwärtsbewegung des Kolbens durch diesen verschlossen. Der Motor arbeitete als Selbstzünder (wohl mit etwas Etherbeimischung). Es war ein „Glühstab“ vorhanden, der wohl beim Start verwendet werden konnte. Am Ende des Waagbalkens war hinter der Ladepumpe eine Hubstange befestigt, die über einen Schwengel das Schwungrad betätigte.
Vom Schwungrad wurde über zwei schrägverzahnte Wellenräder die massive Nockenwelle betrieben. Diese verlief längs des Motors und betätigte über einen Nocken direkt das Auslassventil des Arbeitszylinder beim Niedergehen des Kolbens. Links seitlich des Motors saß auf der Nockenwelle das Antriebsrad für den Treibriemen. Arbeitszylinder und Ladepumpe waren jeweils vom Gehäuse demontierbar.

Die weiteren Details der Ladepumpe, ob mit Flatterventil oder ungesteuerten Ventil betrieben, sind nicht mehr erinnerlich. Zumal dieses Motorteil nie zerlegt gesehen wurde. Auch war 1949 ein anderer Vergaser montiert, so dass auch zum ursprünglichen Typ noch nichts gesagt werden kann.