Mittwoch, 18. Januar 12 Kategorie: Presse, Sonstiges, Chemnitz

Neue Briefe und klare Worte der Nachkommen?

Artikel der Chemnitzer Morgenpost vom 17. und 18. Januar 2012

ßBernd Rippert, Redakteur der Chemnitzer Morgenpost, ist drangeblieben. Gestern und heute erschienen zwei weitere Artikel in der Chemnitzer Morgenpost zum Thema Louis Tuchscherer. 

Artikel aus der Chemnitzer Morgenpost vom 17.01.2011:
Auch Online unter sz-online.de abrufbar

Genialer Auto-Erfinder
begeistert ganz Chemnitz

„Chemnitzer erfand das Auto“ - diese Schlagzeile der Morgenpost über den genialen Tüftler Louis Tuchscherer schlug in Chemnitz wie eine Bombe ein. IHK-Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Wunderlich (57): „Ich bin begeistert und danke der Mopo für diesen Bericht, der das Selbstbewusstsein im Freistaat steigert.“
Bisher fehlen eindeutige Beweise für die These, dass Louis Tuchscherer 1880 mit einer selbst gebauten Motorkutsche vom Zentrum bis Glösa getuckert ist. Doch Kai Wilhelm (36, SPD), Bürgermeister in Tuchscherers Heimatgemeinde Schönheide, sagt: „Ich halte ihn für den wahren Erfinder des Automobils.“
Rudolf Vollnhals (60), Chef des August-Horch-Museums in Zwickau, findet: „Es wäre ein Highlight, wenn das Auto nicht von Carl Benz oder Gottlieb Däumler (später: Daimler) erfunden worden wäre, sondern sechs Jahre früher in Sachsen.“
Intensiv mit der Geschichte Tuchscherers beschäftigt sich Eberhard Kreßner (73) vom Förderverein Industriemuseum: „Dass der Mann eine Motorkutsche gebaut hat, ist sicher. Die Frage ist nur, wann.“ Auch VW-Sprecher Gunter Sandmann (52) hat sich den Morgenpost-Artikel ausgeschnitten: „Es wäre interessant, zu belegen, was damals in Chemnitz passiert ist.“ Von Mercedes-Benz in Stuttgart war zu dem Thema gestern keine Stellungnahme zu erhalten.
Dafür liegt der Mopo der Brief der Tuchscherer-Tochter Margarethe Rzehak vor. Sie schrieb am 20.11.1949 an das Schlossbergmuseum: „Schon als Kind hatte mein Vater den Wunsch, einen Wagen ohne Pferde zu bauen ... Wie eigenhändig von meinem Vater vermerkt ist, baute er das ‚Erste Auto‘ im Jahre 1880.“ bri

Artikel aus der Chemnitzer Morgenpost vom 18.01.2011:
Auch Online unter sz-online.de abrufbar

Nachfahren sicher: Benz klaute Tuchscherers Auto-Idee
Genialer Chemnitzer Erfinder hatte kein Geld für Patentamt

Hat Louis Tuchscherer in der Hauboldstraße 21 das erste Auto mit Verbrennungsmotor gebaut? Über dieses Thema spricht Chemnitz. Jetzt sprechen zwei Urgroßnichten des Erfinders. Margot Fischer (78) und Jutta Pflugbeil (68) sagen: „Louis Tuchscherer hat das erste Auto der Welt gebaut. Carl Benz hat seine Ideen geklaut.“War Carl Benz nicht der erste Autobauer, sondern nur der erste Autodieb? Bisher gibt es keine schriftlichen Beweise. Dafür Erzählungen unter Tuchscherers Nachfahren. Sie sagen: 1878 besuchte Mercedes-Begründer Carl Benz Louis‘ Werkstatt, kupferte seine Erfindung ab. 1880 fuhr Tuchscherer zum ersten Mal mit seinem Auto bis Glösa.Fischer und Pflugbeil sind Nachfahren des Tuchscherer-Bruders Eduard. Jutta Pflugbeil wohnt sogar im Louis-Tuchscherer-Haus in der Hauboldstraße, riss die baufällige Werkstatt 1980 ab. Sie sagt: „Louis war der Bastler, Eduard Geschäftsmann. Eduard drängte seinen Bruder, das Auto patentieren zu lassen. Louis zögerte. Darum gab es Zoff.“Von ihrem Vater weiß Margot Fischer: „Hauptgrund, dass er das Auto nicht patentieren ließ, war Geldmangel. Auch der Besuch von Carl Benz ist sicher. Louis Tuchscherer freute sich, dass jemand Interesse an seiner Erfindung zeigte. Dabei hat Benz die Idee geklaut, 1886 umgesetzt.“Schon Jutta Pflugbeils Oma Hedwig hatte erzählt, „dass ihr Onkel Louis das erste Auto gebaut und gefahren hatte. Danach baute er ein zweites Modell, einen Lieferwagen mit Ladefläche. Ich habe daran keinen Zweifel.“ Das sah die DDR-Zeitschrift „Das Magazin“ genauso. Im Jahr 1954 beschrieb Hanna Klose-Greger die erste Fahrt Tuchscherers 1880 und Benz’ angeblichen Ideenklau.Sicher ist, dass der Petroleum-Zweitaktmotor von Louis Tuchscherer fürchterlich laut war. Jutta Pflugbeil: „Eine längst verstorbene Nachbarin, die die geistig behinderte Tuchscherer-Tochter Camilla noch kannte, sagte immer: ,Die Camilla ist durch den Lärm des Autos so erschrocken, dass sie ihre Sinne verlor.“ bri

 


 
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